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Laienanthropologin on the road

Freu mich auf die Reise ab Oktober! …mit schwimmen im alltäglichen Strom zentralasiatischer Orte. Tages- und Nachtplätze finden – private und öffentliche, Wohnsiedlungen, Märkte, Werkstätten, Industrieviertel, Schulen etc. 

Reisen und sehen, probieren, verharren und och mal gestikulieren. Nehmen was und wie es kommt. Aufzeichnen und -schreiben und -nehmen und dabei wenig, einwenig werten. Ob das funktioniert?

Hach, freu ma uff alles. Alles neu für mich und Alltag für die Leute vor Ort! Freu ma uff nix besonderes. 

Hänsel und Gretel in Krumme Lanke

Gerade fiel mir beim Ausmisten meines Downloadordners auf dem Rechner die Beschreibung der denkmalgeschützten Siedlung Krumme Lanke in Berlin in die Hände. Sehr gut vorstellbar, dass die Geschwister bei einer Berliner Adaption des Märchens durch diese Vorstadtkiefernwälder gingen. 

Hier befinden sich einige Broschüren über Berliner denkmalgeschützte Siedlungen.  

Die Kieferninsel von Marion Poschmann

Im Buch Die Kieferninseln von Marion Poschmann steht eine Beschreibung von Reisegründen in Japan. Einer meiner Gründe zu eigenen Japanreisen war selber natürlichen Ursprungs. Die Kirschblüte – Sakura!

Ansonsten ja/nö als Empfehlung. Von Undenkbarkeiten in Deutschland und von vollkommen nutzlosen Sitten zu lesen in Zusammenhang mit den unten beschriebenen Gedanken und Taten: einfach nich meins. 

“Undenkbar in Deutschland, daß man sich … auf den Weg machte wegen eines einfachen Baumes, wegen Blättern! Der Japanische Ahorn mit seinem filigranen Blattwerk nahm wie der amerikanische Zuckerahorn eine karminrote Färbung an, wenn im Herbst eine Periode sonniger, milder Tage und kalter, schon frostiger Nächte einsetzte. Das japanische Fernsehen berichtete täglich über den Verlauf der Farbwanderung, und eine große Anzahl von Enthusiasten richtete sich nach diesen Angaben und brach auf, fuhr hin. Gilbert hatte sich in den vergangenen Tagen daran gewöhnt, daß man einen Ausflug unternahm, um Bäume zu bewundern, eine vollkommen nutzlose Sitte, die aber in der japanischen Kultur tief verwurzelt blieb. … Die Schau der Naturerscheinungen war weder mit Kunst noch mit Architektur, noch mit Geschichte verbunden, sie war zart und geheimnisvoll, und wenn daraus doch eine Form von Bildung erwuchs, ließ sie sich hinterher weder erklären noch abrufen.”

Dem Schicksal die Stirn bieten

Dass die Reise nach Wien nicht geklappt hat, nehme ich auf meine Kappe. Meine Schwester verbindet geschickt zwei Sprichworte miteinander, die wahr bleiben. Das ist ein Wink mit dem Schicksal! 

Das Wochenende drauf lässt sie es sich nicht nehmen mir noch im Halbschlaf die Falten auf der Stirn glatt zu streichen. Es ist so lieb. Es ist so fürsorglich. Es ist so frech. Rache ist süß!

Icke so an dem Wochenende am Auftürmen eines imposanten Komposthaufens.
Yeah! Kompost, das Gold des Kleingärtners! Das Leben ist schön. …so wie der Haufen. 

Kreisjunggeflügelschau

Bei Kleintierschauen im Berliner Umland gibt es sicher eine Menge zu bekakeln über Zucht, Kultur, Vielfalt und Einfalt, Vereine und Passionen. Tischbewertung, Zuchtaussprache und Kreisjunggeflügelschau sind wertvolle Fachbegriffe der Zuchtdisziplin. Hier stellt sich die Kleintierzüchtergruppe D34 Berlin-Rudow vor. Wochenenden 2017 mögen kommen! 

Frans Post. Der Canaletto Brasiliens

Die Empfehlung vor der Erfahrung: Dieser Artikel in der FAZ liess den Wunsch aufkommen, bis zum 8. Januar 2017 im Amsterdamer Rijksmuseum gewesen zu sein … und dem wird zu Weihnachten nachgegangen. 😀

Vorfreude auf Frans Posts Aquarelle und Zeichnungen und die Exponate aus dem Naturalis Biodiversity Center Leiden. Feine Flora-Fauna-Surrogate für den Städter – janz nach meinem Gusto.


Update 19.01.2017 – In Amsterdam lebte und arbeitete auch Maria Sibylla Merian – Wegbereiterin der Insektenkunde. 

Sofia – Kulturpalast und Katzenmesse

Was bei einer Katzenschau eine Tischbewertung ist, konnte ich dieses Wochenende in Sofia lernen. Zwei vermutlich ausgewiesene Katzenexperten aus UK liessen sich alle paar Minuten drei Katzen an ihren Tisch bringen und beschrieben diese fachmännisch ihren bulgarischen Besitzern. So geschehen im Mineralogischen Museum, in dem ich auch über ein Antreffen von Vicco von Bülow oder Evelyn Hamann nicht verwundert gewesen wäre. 

 [tbc]

Sunlit bricks in Wismar

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Feine Zeichenpläne – II

… für

  • ein mobile phone mit Drehwählscheibe (project handover mit Acc.; 01.07.2016)
    20160904-DrehwaehlscheibenMobile2_BLOG
  • BPMN-Symbole als Orden (Prozessmodellierung durch Ordensanordnungen; 13.04.2016)
  • Auszeichnungen an Uniformen (Streifen am Ärmel bis zum Ellenbogen, Schulterklappen mit opulentem Kordeldekor und aufgesteckten Petits Fours, abbrechende Ordensammlungen an der Brust, sich windende Seitenstreifen an der Hose)
  • eine Erdbeere,
  • einen Marienkäfer im Flug (Panzerflug),
  • einen kompakten Güterwaggon,
  • einen Taxifahrer und seinen Gast im magentafarbenen Sakko und
  • eine Person, die einer anderen Langhaarigen das Lockendrehen per Finger anbietet

 

Gesten- und Mienenspiele in Neapel

Eine musikalische Nachsorge zur Neapelreise mit Rudi Schurickes Capri-Fischern.
uuuuh aaaah und der Hintergrund-Chor so aaaah uuuuh

Neapel-Spaziergänge: Vom Castell San’t Elmo gibt es einen herrlichen Rundblick über die Stadt und nach Capri. | Die Spaccanapoli entlang schlendern vom Fusse des Montecalvaria bis zum Hauptbahnhof an der Piazza Garibaldi. …und immer wieder in die Seitenstrassen abbiegen und mindestens in jede zweite Kirche, ne! Einfach treiben lassen: Kopf hoch, Augen nach links und rechts, Ohren auf: zu melodisch geführten Dialogen gibt es dramatische Handgesten reichlich! Strassentheater! | Im Quartieri Spagnoli und dem Viertel Stella (Sanitá) verlaufen. Im Viertel Stella befindet sich im Norden der Park Capodimonte mit dem Museo Capodimonteweiter unten der Cimitero delle Fontanelle und im Süden die riesige ehemalige Armenherberge neben dem botanischen Garten. | Vom Park Virgilliano im Westen der Stadt gibt es feine Blicke nach Süden zu den Inseln Procida und Ischia und nach Westen auf ein ehemaliges Industriegebiet. | Der Weg vom Park Virgilliano nach Bagnoli führt vorbei an diesem Industriegebiet. Schön, die Fahrt zurück in die Stadt mit der Retro-Metro. Graffiti im Beat Street Stil der 80er Jahre.

Neapel-Notizen: Besonders im spanischen Viertel sitzt der Finger lose an der Hupe. Es ist sicher die Freude am Strassenverkehr weiterhin teilzunehmen, obgleich das kleine Gefährt schon ziemlich gepflastert ist. Oftmals sind die Wagen rechts vorne nicht mehr original. Wegen permanenter Überschätzung des Fahrzeuglänge? Eine Fotoreihe mit Varianten autoaggressiven Verhaltens ist im Universitätsviertel schnell im Kasten! | Achtung drei Kalauer: Verhaltensweise italienischer Inselbewohner? Capriziös. Tusch! | Süditalienisches Schlaginstrument? Die Capriole. Tusch! | Ein Rabe flog an den Felswänden des Parkes Virgilliano entlang und machte einen auf Adler. Die Mischung von Rabe und Adler? Tusch! Und fertig. | Da hat in Neapel jemand im Vertrieb alles richtig gemacht. Über 90% der Gummibälle mit denen die Kinder hier spielen sind von derselben Marke. Viele Strassenkicker gibt es in Neapel. Nice! | Sattsehen an Marmorintarsien in den Kirchen (z. B. in der Chiesa Gesu Nuovo)! | Scherenwege: Auf die Frage nach einer Schere gab es die Antwort We have had ten scissors but they all were stolen. Zehn Scheren aus einer neapolitanischen Herberge befinden sich auf der Welt verstreut. | Auf dem Vesuv kann man an kleinen Kiosken Wein aus der Region kaufen. Ein komisches Souvenirsortiment wird auf den Vulkan getragen. | Täglich gibt es Fähren nach Capri, Procida und Ischia. Zu einer Überfahrt nach Capri hat die Zeit leider nicht gereicht, um Caprisonne zu genießen. | Eine Idee für eine Doppel-LP: Deutsche Volkslieder mit ausländischen Akzenten gesungen | Die Erfindung des Bio-Tattoos für den Herrn: Bart abnehmen im Hochsommer. Blass wird Rot wird Braun. | Variante Tribal Bio-Tattoo: Schablone mit Tribal auf den Körper legen und ihn dann der Sonne aussetzen. | Was dem Neapolitaner an Ausdrucksfähigkeit in die Hände gewandert ist, muss aus dem Gesicht gekommen sein. Dort herrscht Starre. Die Ausdrucksbilanz ist damit ausgeglichen. | Auf die Schnelle wurde am letzten Tage nach dem Duschen das Schalhandtuch erfunden. | Schießen und Seufzen: Wenn jede Sehenswürdigkeit beim Abfotografieren einmal leis seufzte, gäbe es ein feines Seufzerkonzert …z. B. am Mailänder Dom.

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Fruchtbonbonfarbene Träume hinter bröckelnden Fassaden an der Piazza Garibaldi

Tschick von Wolfgang Herrndorf

Tschick der coming-of-age Roman im Roadmovie-Stil durch den Osten Deutschlands ist schnell gelesen – page-turner!

Aus dem Buch Sand von Herrndorf reicht diese Stelle: “Sein Blick fiel auf Hunderte kleiner Bläschen, die durch das Umrühren in der Tasse entstanden waren und sich nun zu einem kreiselnden Teppich zusammenschlossen. Als die Rotation schwächer wurde, wanderten die Bläschen zum Tassenrand, wo sie sich zu einem ringförmigen Wall auftürmten. Im Innern jedes Bläschens war ein kleiner Kopf eingeschlossen, der ihn mit zusammengekniffenen Augen anstarrte, in den kleinen Bläschen ein kleiner Kopf, in den mittleren ein mittlerer und in den großen ein großer. Das Auditorium verhielt sich militärisch synchron und verfiel für einige Sekunden in eine Art Totenstarre. Dann wurden alle Köpfe plötzlich größer, und als Polidorio ausatmete, starb ein Viertel seines Publikums.”

Zementgärtner und Rosenzüchter

Die letzte Woche trieb mich eine Laufveranstaltung zum ersten Mal nach Dublin und Belfast. Anbei einpaar Eindrücke von der Reise.

Dublin: Reihenhaus-Individualität in der Shamrock Street ☘ ♧ ☘

Belfast: Im Viertel The Shankill: Bordsteinkanten sind rot-weiß-blau gestrichen; > Idee: eine German Brass Band, die dt. Volkslieder vermarscht; ein Comic, das zuhauf dt. Kunstwerke zitiert (z. B. Der Wanderer über dem Nebelmeer) | Ulster Museum …of Curiosities: > Dokumente über die Zeit The Troubles neben Indischen Gottheiten; > ein weidengeflochtener Flugsaurier hängt vor Rekrutierungsplakaten aus dem 1. Weltkrieg; > fantastische Gesteinssammlungen; Dieses Museum ist ein surrealer Sammelkasten – wie auch schon im sympathischen Stadtmuseum Bristol gesehen. | apropos surreal: Die Pavillons der Expo in Mailand scheinen absurde Momente zu generieren.
| Was noch: Fish and Chips bei Raffo’s nahe der Falls Road – dort wird irisch geflaggt; Jellied Eels wollen noch probiert werden | Die Vorliebe für Beton wird in Vorgärten und bei Einfassungen von Bäumen ausgelebt. | die Laufmotivation: TOUCH HERE FOR POWER mit der Red Hand of Ulster auf einem Schild | shop till u drop: Die Innenstadt Belfasts richtet die Leute auf das Shoppen ab. Ein Laden wirbt mit Hair 3 for 2. Pelze in spanischen Kaufhäusern entsprechen in englischen Einkaufstempeln Hüten und Kappen; absurde Einrichtungsangebote: Lampenschirme auf den Köpfen von samtenen Mopsen, Hasen und Pelikanen
| Empfehlung: Breakfast of Champions von Kurt Vonnegut | Ab und zu steht der kulinarische Globalisierungsgeruch von Subway in der Straße.
 | Wetter und Eindrücke durchwachsen.

Startblöcke für das tägliche Lagenschwimmen

Startblöcke für das tägliche Lagenschwimmen

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Automobiles Vorgartengrün

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Regen verleiht der Szenerie noch mehr Lokalkolorit.

Ein Geben und Nehmen. In den Straßen von Mailand

Italienische Wochen Teil 2. Ein Wochenende voller Stadtspaziergänge in Mailand! Ich bin noch sehr am Überlegen, ob und wie die Eindrücke der letzten beiden Tage veröffentlicht werden …wollen. *Mit offenen Augen auf offene Beine* Hier erstmal einpaar Bilder.

Das offizielle Mailand

Ein Stadtspaziergang

Kioske

Straßenschluchten schneiden durch die Stadt, so dass der Blick bis an die Berge treibt. | An vielen Ecken ein Zeitungs- oder Blumenkiosk. Eine Gewerkschaft der Kioskbetreiber wäre recht eigen besetzt und sicher sehr mächtig. | Public Transport und bikeMi Räder sind unproblematisch verfügbar und erschwinglich. Sympathisch! | Überschneidungsfrei stossen Mainstream-Eleganz und -Tourismus an Bitternisse des Strassendaseins. | Mögliche Blog-Themen: Schaufensterdekorationen; Bettler – Haltung und Geste; Kioske; Stadtbahnen | Fotografieren als Akt der Besetzung öffentlichen Raumes. Oder einfach ein Test zur Ermittlung touristischen Autismus’. Die Variable: der Abstand zwischen Kamera und Bildmotiv | Die Auslagen im Geschäft Piero Fornasetti gemahnen an einen hingebungsvolleren Zeichenstil!

Nexte Stope Lido

Eine Woche vor dem Karnevalsbeginn teilte ich mir mit ausreichend weiteren Touristen Venedig. In der Hochsaison wird man sich hier bestimmt international höflich auf den Füssen stehen. Und zu jeder Zeit kann man sich verlässlich im dicht bebauten Gebiet zwischen Bahnhof und Markusplatz verlaufen – in Rialto und San Marco. Wenn Zeit und Muse: dann nur jede viertel Stunde auf den Stadtplan schauen und überrascht sein, wie die Inseln zu schwimmen scheinen! 

Abseitig, leerer und zuweilen nicht nur postkartenschön sind der nördliche Bogen der zusammenhängenden Laguneninseln und Teile der Ostspitze. Dort befinden sich ein Stadion, der Stadthafen, in dem auch Vaporetto-Haltestellen liegen, das Biennale-Ausstellungsgelände mit einer sicher erkundenswerten Bibliothek, einige Grünflächen und weitgehend touristenfreie Wohnviertel. Eine Überfahrt zum Lido und eine spaziergängerische Annäherung an das Hotel Excelsior zu Ehren Thomas Manns: keine vertane Zeit! Das Auge sollte allerdings gnädig über den Zustand des Strandes hinwegsehen. Seniore Damen tragen hier ihren Pelz beim Fahren auf dem Zwei- und Dreirad zur Schau. 

Mehr Touri-Punkte: eine Fensterschau auf Murano, eine Häuserschau auf Burano oder ein Besuch des Dogenpalastes. Alles was mit Vaporetto-Fahren zu tun hat: Ja!* Die Szenerie um den Markusplatz und die Ausstellung im Dogenpalast sind sicher auch eine Beschau wert, liessen mich aber eher von den verschneiten Bergketten am Festlandshorizont träumen.

Spaziergänge durch Venedig, am Lido, auf Murano und Burano

Venedig offiziell

* Die englischen Ansagen von Vaporetto-Haltestellen mit italienischem Akzent sind sehr sympathisch! Sicher klingen Ausländern die englischen Ansagen in der deutschen Bahn genauso angenehm …landestypisch.