Tag Archives: Sprache

Abwehr im Alter und ländliches Sein

Gestern fragte mich eine recht betagte Dame an der Frankfurter Allee, wo sie ein Geschäft finden kann, um ein Abwehrspray nachzufüllen. Sie erzählte mir, dass Sie in den letzten Tagen angegriffen wurde. Eine ganz und gar ekelige Vorstellung, wie es der – sicher grundguten – Dame ergangen sein mag. Nun ja, ich konnte ihr wenig weiterhelfen, da mein Blick für solcherlei Geschäfte vermutlich doch etwas eingetrübt ist. Nach unserer Verabschiedung kam ich an einem Sanitätshaus und einer Apotheke vorbei. Eigentlich passt so Abwehrgedöns doch hier sehr gut hin: als Hilfsmittel für präventive, gesundheitserhaltende Maßnahmen …

Vorhin einwenig verfranzt im Internet. Auf der Website einer mecklenburgischen Hochschule wird zu einem “Speed-Dating” im Rahmen der Fortbildung zu Dorfmoderatoren eingeladen. …mir wird ganz schummerig, wenn zu dem Setting der Film vor dem geistigen Auge losgeht…

Der MORAL-O-MAT – soOo berechtigt beliebig

Könnt stundenlang vor mich hingiggeln, wenn die Karten des MORAL-O-MATs neu gemischt werden und sich ein mehr oder weniger überzeugendes Statement seinen Weg in die Welt bahnt.

…und oh so schön, so stahlgraublau der Himmel gerade über der angestrahlten hellgelben Fassade! 

  • Alles ist | sicherlich | eine Illusion. 
  • Leichtsinn ist | unterm Strich | immer Gabe und Aufgabe zugleich. 
  • Ein Seitensprung ist | von aussen betrachtet | ein Geschenk Gottes. …

Alltags- und Ausdruck

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Vor etlichen Jahren stand ich regelmäßig in Berliner S-Bahnen. Die Fenster waren meist  gescratcht. Gescratcht: mein Ausdruck für mit Hilfe von Schlüsseln oder Nägeln zerkratzt.
Scratch-Katharsis. Hin und her, hin und her, kreuz und quer. So fährt der Scratcher durch die Stadt. Holt n Schlüssel raus. Denn jeht et hin und her u.s.w. (sprich als Reim: und so weitär). 
Mobilität trifft Alltagsdruck. …alles in allem: Nicht sehr wohltuend für das entspannungsuchende Auge. So kam ich auf die Idee feine Scratchereien* auf S-Bahnscheiben anbringen zu lassen mit der Unterschrift: Wenn de nich besser kannst als ditte, lass et.
Obwohl: die Scratchereien sind ja och Stadtpoesie!

* Feine Scratchereien stellen zum Beispiel das Saale-Unstrut-Tal oder die Wartburg dar. So wie auf diesen Autobahnschildern, die auf touristische Ausflugsorte hinweisen.

Schland-Modellnamen und Wetterhahn-Obelisk

Dieser Tage führte der Weg am Volkswagen-Werk in Wolfsburg vorbei. Sollte die deutsche Autoindustrie einmal die Möglichkeiten deutscher Sprache, deutschen und eigenen Images ausloten, würde ich mich gerne an Modellnamen wie [Hersteller] Schäferhund – Edition WelpeTrachtenfesch CoupeJanker 2 oder SUV Wiesnflucht erfreuen. Ambivalent wirkende Modellnamen zwischen tolerierendem Stolz und statistisch-belegbarer Leichtigkeit. 

Mit der Bahn von Berlin nach Köln reisend ragt vor Deutz eine recht mächtige, obeliskförmige Säule aus den Baumkronen. Vielleicht ist es ein Denkmal. Vielleicht auch eine Kirchturmspitze. Auf dem Obelisk sitzt ein Wetterhahn. Es wäre auf jeden Fall eine angemessene Denkmalform für den stets zurückhaltenden Diener!

Gemeinschaftssprachen

Was passiert, wenn Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft mündig werden:

  • Die Sprache ändert sich
  • Die Floskeln werden weniger
  • Die stereotypen, automatisierten Antworten lösen sich auf
  • Die Schleier, die sich über das Denken gelegt haben, verschwinden
  • Neue Standpunkte werden möglich

Aus einem Wiener TV-Tatort.
…und sonst hier so: Arbeitsgemeinschaft. Lets go BPMN!

Szenen im Büro 2

oder Das Verstehen einfordern! Ein ausgesprochen kleiner Akt.

Vorhang auf.  X kommt rein: Jetzt hab ich es ihm aber ganz deutlich gesagt, dass ich das nicht mehr akzeptiere. Y: Dass du was nicht mehr akzeptierst? X: Dass ich nicht mehr akzeptiere, dass wir ständig aneinander vorbeireden! Dass wir uns nie verstehen. Y: [nix] X: Ich akzeptiere das nicht mehr! Und das hab ich ihm jetzt mal ganz deutlich gesagt!  Vorhang zu.

Top! Verkaufsargumente auf Buchdeckeln

  • Ein-Wort-Rezensionen

für Orhan Pamuks My Name Is Red: ‘Wonderful.’ Spectator, ‘Magnificent.’ Observer, ‘Sumptuous.’ New Yorker und ‘Unforgettable.’ Guardian

für Anthony Doerrs All The Light We Cannot See: ‘Sublime‘ The Times, ‘Magnificent‘ Guardian (update 30.05.2016)

  • Richtungsweisende Preisberücksichtigungen

für Chimamanda Ngozi Adichies Americanah: BAILEYS Women’s Prize for Fiction | 2014 | Shortlisted

Spitzentitel

Ich habe eine Einladung für einen Kongress bekommen, für den ein Präsident, ein Evangelist und ein Extremkletterer als Keynote-Speaker gewonnen wurden. Desweiteren kann man sich freuen auf einen Guru, einen Experten und einen Spezialisten. Ich fühle mich auserwählt.

Sprachliche Fürsorge im Alter

Eine Altersresidenz mit Einrichtungen, die fürsorglich klingenden Namen haben:
Auf dem Campus zwischen den Pavillons Melissengeist* und Maria Cron* wandeln. Durch das Wäldchen Asbach Uralt* spazieren bis zur Raststätte (fast stände hier Ruhestätte) Kümmerling.*

* Firmen, die das Potential zum green washing im sozialen Bereich im Namen tragen.

Das Prickeln der Geschichte

Oder der Brückenkopf ins Nachbarland. Projekt- und Funktionsbezeichnungen können mitunter aus der Art fallen. Z. Z. arbeite ich in einem Projektteam, das den Brückenkopf nach Polen darstellt. … Ich gehe natürlich sehr sensible und geschichtsbewußt mit diesem Thema um und merke, dass das staubtrockene Image der Disziplin Geschichte sprachlich schnell auf ein wohlig-prickelndes Niveau gehoben werden kann.

STARS und ZEBRAS

Unternehmens-Software kann sonderbare Bezeichnungen haben z. B. STARS oder ZEBRA. Neulich wurde mir für einen Bestell-Auftrag empfohlen: Machen Sie bitte dafür ein ZEBRA auf. Gerne doch.

Über die Ausdehnung von cool

Neulich in der S-Bahn. Auf dem Weg zum Bahnhof schwärmte eine junge Berlinbesucherin am Telefon von einem gemeinsamen Erlebnis am Vortag: Wir fahren gerade am Bode-Museum vorbei. Gestern der Ausflug hierher war richtig cool. Nach einer kurzen Pause – in der sie vermutlich der Ausdruckskraft des Wortes cool nachhing – bestätigte sie: Ja. Das kann man gar nicht anders sagen. …cool ist cool ist cool.

Druckerinnenschwärze

Diese Woche habe ich drei Texte gelesen, die im Vorspann ankündigten aus Einfachheitsgründen nur in der männlichen Form zu formulieren. …als ob dadurch irgend etwas einfacher würde. (:
Ich will nun mal aus Gewohnheitsgründen zehn Jahre nur die andere Variante lesen.

Ein Fall von Kommunikation

Ich bekenne: ungerne höre ich die Worte noch mal bei Erklärungen, wenn es kein davor gegeben hat. Ich gehe dazu über zu einem späteren Zeitpunkt mit auch hier noch mal zu reagieren – ohne das es je ein davor gegeben hat. 😀
Gibt es eigentlich schon ein Brettspiel mit dem Namen Subjectivity?